Der klassische Abteilungsleiter ist tot – es lebe der Agile Leader!

Wie sieht die Arbeit des Projektleiters im Jahre 2030 aus? Diese Frage stellt das projektmagazin in seiner Blogparade zur PM Welt 2018: „Der Projektleiter im Jahre 2030“.

Als Projektleiter bin ich heutzutage mit agilem Projektvorgehen schon deutlich anders gefordert als früher. Was muss ich tun, um auch im Jahre 2030 nicht zum alten Eisen zu gehören?

Um 12 Jahre in die Zukunft zu schauen, könnte man einfach mal 12 Jahre in die Vergangenheit blicken. Im Jahre 2006 wurde Deutschland dritter bei der Fussball-WM und keiner hat es per Twitter mit einem Smartphone mitgeteilt.

Die Digitalisierung und die sich daraus ergebenen unternehmerischen Herausforderungen bringen es mit sich, dass immer mehr Geschäftsmodelle durch Projekte ermöglicht werden. Die klassische Linienorganisation wird den Anforderungen an Flexibilität und Dynamik nicht mehr gerecht und ist daher ein Auslaufmodell. Dafür spricht der Erfolg von Start-Ups sowie der Wunsch nach mehr Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung der Generation Y. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich es für junge Arbeitnehmer ist, die Risiken eines Start-Ups in ihr eigens Leben zu integrieren: „Wenn’s nicht klappt, mache ich eben etwas anderes. Dafür habe ich etwas tolles erlebt und viel gelernt“. Das gilt heute schon nicht mehr nur für Gründer, sondern auch für deren Angestellten. Wer heute in seinen Lebenslauf nur einen Arbeitgeber verzeichnet, bekommt von allen Seiten eher Mitleid als Bewunderung.

Der Weg in die Zukunft der digitalen Welt und der Modernisierung traditionsbehafteter Unternehmen – die Transition – fußt aktuell auf dem Wandel der Organisationen zu mehr Agilität. Das Agile Manifest ist heute schon weitgehend akzeptiert; allerdings noch lange nicht überall etabliert, denn der Weg ist oft noch unklar. Elementare Voraussetzung für die Transition in den Unternehmen ist ein Kulturwandel im Kopf aller.

Aus Fehlern lernen und sich anpassen

Der Projektleiter ist heutzutage mit agilem Projektvorgehen schon deutlich anders gefordert als früher. Aber warum eigentlich?  Es liegt wohl daran, dass die Routine in der heutigen Zeit immer weniger wird und auch fest eingefahrene Projektmethoden immer seltener zum Erfolg führen. Die immer komplexeren Systeme werden erst durch die Erkenntnis beherrschbar, dass man eben nicht alles vorab planen kann. Man muss vielmehr in kleinen Schritten und mit viel Mut zum Ausprobieren schnell aus den Fehlern lernen, seine Erkenntnisse ziehen und den Plan anpassen. In wissenschaftlichen Forschungsprojekten geht man auf diese Art und Weise bereits seit Jahren vor, ohne es explizit agil zu nennen.

Mein Leben lang habe ich viele Dinge ausprobiert. Mein Anspruch war dabei stets, mein Handeln zu reflektieren. Das war die Basis, mich selber weiterzuentwickeln. Als Projektleiter bedeutet dies, den eigenen Methodenkoffer stets aktuell zu halten (Blogparade 2016: Von der Persönlichkeit eines (erfolgreichen) Projektleiters).

Was muss ich nun tun, um auch im Jahre 2030 nicht zum alten Eisen zu gehören? Wie muss ich mich wandeln, damit ich in Zeiten von immer mehr agilen Projekten weiterhin gefragt bin?

Vom Spezialisten zum Generalisten

Wandlungsfähigkeit basiert u.a. auf vielen persönlichen und unterschiedlichen Erfahrungen. Diese müssen auch beim Projektleiter zu mehr Flexibilität im Einsatz der Methoden führen. Spezialisten laufen Gefahr, sich nicht schnell genug anpassen zu können.

Agile Leadership leben

Projektteams werden die neuen Organisationseinheiten in einem Unternehmen. Von der Vielfalt an Kompetenzen und Charakteren profitieren die Projekte. Die Projektteams werden variabler. Die Laufzeiten sowieso. Insgesamt wird damit das Thema Team-Performance und der zugrunde liegende Teambildungsprozess allgegenwärtig und auch anspruchsvoller. Die Führungskompetenz der Projektleiter wird damit an zusätzlicher Bedeutung gewinnen. Der Einfluss auf die unternehmerischen Erfolge wird größer.

Die Führungskompetenz setzt dabei auf dem Agilen Mindset und der Bedeutung von Fehlerkultur und Motivation auf. Projektleiter müssen sich als Enabler verstehen, die Mitarbeiter und ganze Teams dazu bringen, über sich hinaus zu wachsen. Der Projektleiter im Jahre 2030 muss zudem auch den Antrieb haben andere weiterentwickeln zu wollen. Der Aufbau von Kompetenzen und sogar das Loslassen von Mitarbeitern, damit diese sich in anderen Projekte weiterentwickeln können, sind essentielle Fertigkeiten.

Das Übertragen von Verantwortung und das Vertrauen in die Möglichkeiten eines Teams ist wichtig. In gleichem Maße benötigt der Projektleiter diese Unterstützung auch vom Top-Management des Unternehmens.

Unternehmerisch denken

Der agile Führungsstil führt mit dem „Warum“. Erklärungen ersetzen Ansagen. Das ermöglicht dem Team die Orientierung in dem neuen Freiraum zur Entfaltung einer Lösung. Wer den Sinn und Zweck eines Vorhabens verstanden hat – das Warum also verinnerlicht hat – kann eigenständig Entscheidungen im Sinne des Unternehmens treffen. Das beschleunigt Projekte ungemein.

Dazu agiert der Projektleiter im Jahr 2030 viel mehr als heute mit den Fertigkeiten eines Unternehmensberaters und Produktmanagers und kann wichtige Chancen am immer schneller werdenden Markt für sich nutzen.

Fazit

Derzeit macht mir Agile Leadership und das unternehmerische Denken so viel Spaß, dass ich gar nicht ausschließen möchte, auch im Jahre 2030 noch Projektleiter zu sein.

Dann bin ich 61 Jahre alt. Das ist sicher.

Wie ich dann über die Fussball-WM berichten werde, steht allerdings in den Sternen.

 

Tassilo Kubitz

 

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